Sensationeller Mineralfund im NP Hohe Tauern, Kärnten

Freitag, 24 März 2017.

Seit der Errichtung des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten wird die wissenschaftliche Dokumentation der Mineralvorkommen dieses Gebietes über mineralogische Nationalparkprojekte durchgeführt. Diese Projekte werden von Mineralogen der Fachgruppe Mineralogie und Geologie des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten geleitet (derzeit durch Univ.-Prof. Dr. Franz Walter).

Projektmitarbeiter Michael Ottmann, im Berufsleben Gartenbaumeister der Stadtgemeinde Radenthein,  sich eigens dafür ein Stereomikroskop angeschafft, um auch kleinste Mineralbildungen zu bestimmen. In seinem bevorzugten Sammelgebiet, dem Kleinen Fleißtal in der Sonnblickgruppe, gelang ihm ein ganz besonderer, sogar sensationeller Mineralfund:

Aus einer alpinen Kluft, die Bergkristalle und zu Eisenhydroxiden verwitterte Eisenkarbonate enthielt, konnte er nur wenige Millimeter große zu kugeligen Aggregaten verwachsene rötlichbraune Kristalle bergen, die er auch unter dem Stereomikroskop nicht bestimmen konnte.

Bei der mineralogischen Untersuchung dieser Kristalle am Institut für Erdwissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz (F. Walter) und am Universalmuseum Joanneum Graz (H.-P. Bojar) konnte rasch erkannt werden, dass es sich dabei um eine weltweit neue Mineralart handelt. Nach der Überprüfung der Mineraldaten (physikalische, chemische und Kristallstrukturdaten) durch die International Mineralogical Association (IMA) wurde dieses neue Mineral nach der Fundregion als Fleisstalit benannt: IMA No. 2016-038 Fleisstalite, Fe2+(SO3)·3H2O. [Hans-Peter Bojar and Franz Walter]

Nach der Mineralsystematik gehört Fleisstalit  zur Sulfit-Gruppe, die mit bisher nur fünf Mineralarten zu den extrem seltenen Mineralbildungen der Erde zählt. Die wissenschaftliche Beschreibung von Fleisstalit in einer internationalen Fachzeitschrift ist in Arbeit.

Dieses Ergebnis zeigt, dass die Mineraldokumentation auch im Nationalpark Hohe Tauern die wissenschaftliche Berechtigung hat und neben bereits bekannten Mineralvorkommen auch weltweit neue Mineralarten entdeckt werden können. Ohne die freiwillige Mitarbeit der Mineraliensammler im mineralogischen Nationalparkprojekt in Kärnten gäbe es auch kein Probenmaterial für die wissenschaftlichen Untersuchungen.

Verfasser: Ao. Univ.-Prof. Dr. Franz Walter

kleine zeitung fleisstalit final

michael ottmannMichael Ottmann aus Radenthein vor seinen Vitrinen mit selbst gefundenen Mineralien. Foto: F. Walter
fleisstalit
Die neue Mineralart Fleisstalit auf Bergkristall. Bildbreite 1 cm. Foto: H.-P. Bojar

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