Wulfenpreis 2015

Preisträger des Kärntner Wulfen-Preises 2015
Dr. Gerfried Horand LEUTE

 dr gerfrie horand leute

Seine Verbundenheit mit den "drei Reichen der Natur", wie sie auch F. X. Wulfen bezeichnete, hatte Gerfried H. Leute seiner Mutter Friedegund, einer bekannten Bergsteigerin, die ihn schon während der Kindheit auf zahlreichen Bergfahrten, besonders in die Kreuzeckgruppe und die Nockberge mitnahm, zu verdanken und die seine Liebe zur alpinen Pflanzen- Tier- und Gesteinswelt besonders förderte. Während seiner Gymnasialzeit war es jedoch sein Naturgeschichtelehrer, Prof. Adolf Fritz, der später bekannte Universitätsprofessor, Palynologe und Paläobotaniker, der den wissbegierigen Botanikeleven sogar in seiner Freizeit ins Gelände begleitete und ihm floristischen Privatunterricht erteilte und maßgeblicher Wegweiser für sein künftiges Lebensziel war. Auch während seiner Studien- und Berufszeit ist er mit diesem großen Kärntner Naturwissenschaftler bis zum heutigen Tag fachlich und freundschaftlich verbunden. Bezeichnenderweise fand seine erste Ferialpraxis im Botanischen Garten in Klagenfurt statt, dem er dann später als Leiter vorstehen sollte. Es folgten nach der Matura abwechslungsreiche Studienjahre an der Universität Wien, nur unterbrochen durch ein medizinisches Intermezzo, bei namhaften naturwissenschaftlichen Kapazitäten, wie den Botanikern Höfler, Geitler, Ehrendorfer, Wendelberger, dem Zoologen Kühnelt, dem Mineralogen Machatschki, dem Paläontologen Thenius, und die bekanntesten Floristen und Kenner der heimischen Flora dieser Zeit, wie Alfred Neumann und Hans Metlesics gaben ihm gerne ihr großes Wissen weiter. Während seiner Tätigkeit an der Botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien, die über eines der größten Herbarien der Welt - u. a. auch über das Originalherbarium von Wulfen - verfügt, konnte sich Gerfried H. Leute alle Techniken der Herbarpräparation, der Sammlungsverwaltung, des Leihverkehrs, etc. aneignen und lernte die bedeutendsten Botaniker, die hier ein und aus gingen, kennen und konnte wichtige Kontakte für die Zukunft knüpfen. Dies kam ihm dann zugute, als er 1972 an das Kärntner Landesmuseum als Kustos berufen wurde, um nach dem 2. Weltkrieg hier wieder eine Botanische Abteilung und ein Landesherbarium aufzubauen, eine unter den damaligen Umständen schier unmögliche Aufgabe. Doch mit regelmäßiger und großzügiger Unterstützung von privater Seite, des Naturwissenschaftlichen Vereines und vieler seiner ehrenamtlichen Mitglieder und vor allem seiner Ehefrau, die das Haus Leute zu einem beliebten Treffpunkt der Wissenschaft und Kultur machte, konnten die zahlreichen Hürden, vor allem nach der zusätzlichen dienstlichen Übernahme des Botanischen Gartens, überwunden werden und letztendlich das Kärntner Botanikzentrum geschaffen werden. So konnte er viele Jahre hindurch ganz im Sinne und auf den Spuren Wulfens wandernd, das Land und seine Nachbarregionen kartierend und sammelnd durchstreifen und einen beachtlichen Fundus an neuem Herbarmaterial aufbauen.  Gerfried H. Leute ist als teamworker bekannt und arbeitet gerne mit Fachkollegen und Amateuren zusammen, das zeigt sich in seinen über 220 Publikationen, mehrheitlich botanischen Inhaltes, einige beziehen sich auch auf Themen der Ziegel- und Ziegeleiforschung und Musikgeschichte. Erwähnenswert sind neben den zahlreichen Publikationen zur Kärntner Flora der gemeinsam mit anderen Autoren verfasste "Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens" sowie der ethnobotanische Klassiker "Der Klagenfurter Wochenmarkt auf dem Benediktinerplatz". Weitere Themenschwerpunkte sind zahlreiche Gemeindechroniken (zumeist mit seinem langjährigen Coautor Univ.-Doz. Dr. Wilfried R. Franz), Naturführer, Wasserpflanzen (Makrophyten), die schwierige Verwandtschaftgruppe der Brombeeren (Rubus) und Arbeiten ethnobotanischen und biographischen Inhaltes.       
Ihm zu Ehren wurden eine Pflanzengattung (Leutea Pimenov, Apiaceae 1987) und drei Pflanzenarten benannt (Taraxacum leutianum v. Soest, Asteraceae 1976, Epipactis leutei Robatsch, Orchidaceae 1989 und Alchemilla leutei Fröhner, Rosaceae 2004).
Gerfried H. Leute ist Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins seit 1964, war Vorstandsmitglied, kurzfristig Vizepräsident, ist seit 2002 Korrespondierendes Mitglied; Mitglied der Österr. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft, des Geschichtsvereins für Kärnten, Gründungsmitglied der Ensembles für Alte Musik "Hortus Musicus" und "Musica Claudiforensis", Gründungs- und Ehrenmitglied des Vereines "Stadelfenster- und Ziegelkultur im Alpen-Adria-Raum".


LEBENSLAUF

 

1941

 

geboren in Klagenfurt, Österreich

Schulbildung

 

 

1947-1951   Volksschule in Klagenfurt
1951-1959   Humanistisches Gymnasium in Klagenfurt
1959   Ferialpraktikum am hiesigen Botanischen Garten
     
Universitätsausbildung    
1959-1969   Studien an der Wiener Universität: Medizin (7 Semester), Botanik, Meteorologie, Zoologie, Mineralogie, Paläontologie
Ab 1965   Mitarbeiter an der Botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien und ebendort Dissertation bei Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Rechinger (1. Direktor) über den Verwandtschaftskreis der Apiaceen-Gattung Ligusticum
1969   Promotion zum Dr. phil.
Verehelichung mit Gertrud Seppele aus Jadersdorf im Gitschtal, Kärnten
Anstellung als Kustos für Botanik an der Botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien, neben der Bearbeitung westasiatischer Apiaceen, Sammelreisen nach Mazedonien, Montenegro, Kosovo, Abruzzen, Tschechien, Österreich und besonders Beschäftigung mit der Flora von Kärnten
     

Berufliche Tätigkeit &

Privates

   
1969-1970   Präsenzdienst in Wien bei Kdobaon/BMfLV, in die Reserve entlassen als Gefreiter der Reserve
1970   Geburt der Tochter Gerlinde Veronika
Seit Herbst 1972   Kustos für Botanik am Landesmuseum für Kärnten in Klagenfurt, Aufbau eines Kärntner Landesherbars (KL), ehrenamtlicher Begründer und Betreuer der Musikinstrumentensammlung des Landesmuseums
1973   Geburt des Sohnes Martin Alexander
1974   Theodor-Körner-Preis zur Förderung von Wissenschaft und Kunst
1975   Förderungspreis für Wissenschaft des Landes Kärnten
Seit 1976   auch wissenschaftlicher Betreuer des Botanischen Gartens in Klagenfurt und seit 1996 dessen Leiter
1980   Sonderausstellung im Landesmuseum für Kärnten: "Alte Musikinstrumente"
1992   Gründung und Herausgabe der Zeitschrift "Wulfenia, Mitteilungen des Botanischen Gartens des Landes Kärnten" (ab 1998 als Mitteilungen des Kärntner Botanikzentrums Klagenfurt, bis zum Jahre 2014 21 Folgen erschienen)
1993   Umweltschutzpreis des Landes Kärnten (gemeinsam mit mehreren Autoren für den "Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens")
1998   Sonderausstellung "Steinblumen-Blumensteine" gemeinsam mit dem Bergbaumuseum Klagenfurt, Kärntner Botanikzentrum und Naturhistorischem Museum Wien, Mineralog. -petrogr. Abt.
1998   Initiator der Wiedervereinigung der Botanischen Abteilung des Landesmuseums mit dem Botanischen Garten zum Kärntner Botanikzentrum, Errichtung eines architektonisch bemerkenswerten Neubaus und Bestellung zu dessen wissenschaftlichen Leiter als Außenstelle des Landesmuseums
2001   Übertritt in den Ruhestand



 

Sammlungsübergabe: Die Paläobotanische Sammlung (ca. 3500 Stufen) aus dem Privatbesitz von Gerfried H. und Gertrud Leute sowie zahlreiche Bibliotheksbestände wurden und werden laufend dem Kärntner Botanikzentrum geschenkweise überlassen.

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